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Presse-Artikel von „weltwärts“: Austausch über den Einsatz von Freiwilligen

Montag, 15. Februar 2010 | © rechtsstaat-mexiko.de

Der folgende für die Tagespresse verfasste Text greift einige Teilaspekte bestimmter Arten der Entsendung von Freiwilligen zur Unterstützung mexikanischer Menschenrechtsorganisationen auf. 

Verletzungen von Menschenrechten sind in vielen Ländern des Südens alltäglich. Die öffentliche Wahrnehmung und der Kampf der Aktivisten bleiben jedoch oft lokal beschränkt. Internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung gibt es nur in drastischen Fällen. Die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko, ein Netzwerk von Initiativen die zum Thema Menschenrechte in Mexiko arbeiten, hatte kürzlich zu einer Konferenz nach Berlin eingeladen. Fast zwanzig mexikanische Menschenrechtsaktivisten konnten kommen, um sich mit Vertretern von Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz über den Einsatz von Freiwilligen bei der Menschenrechtsarbeit in Mexiko auszutauschen.

„Freiwillige sind für uns eine Notwendigkeit.“, sagte Verónica Rodríguez von Amnesty International Mexico. So kämen Freiwillige in lokalen Projekten zum Einsatz, wo sie über das Büro hinaus in die Breite wirken können. Derzeit sind 26 Freiwillige bei Amnesty International Mexiko im Einsatz. Rodríguez verwies jedoch darauf, dass die vielen Kurzzeitfreiwilligen für langfristig geplante Lobbyarbeit nicht zu gebrauchen seien. Langfristig anwesende Freiwillige bieten laut Rodríguez ganz andere Möglichkeiten.

Wenn es um die Arbeit mit Fokus politische Institutionen in Mexiko oder internationale Organisationen gehe, sei zudem Vorerfahrung notwendig. Das sehr komplexe Thema Menschenrechte stelle spezielle Anforderungen an die Freiwilligen. „Unsere Freiwilligen müssen in unserem Sinne denken und handeln. Dazu müssen sie sich in ihrem Bewerbungsschreiben bekennen.“, sagte Rodríguez. Die Freiwilligen müssten die durch Amnesty vertretenen Werte nicht nur kennen, sondern ihnen auch aktiv folgen.

Es ist nicht immer leicht engagierte, gut vorbereitete Freiwillige zu finden. Rodríguez quantifiziert ihren Bedarf klar: „ Wir brauchen eher 30 Freiwillige als zwei oder drei um unsere Vision zu erfüllen.“ Problematisch sei die hohe Fluktuation. Im letzten Jahr seien aufgrund der kurzen Verweildauer insgesamt 100 Freiwillige bei Amnesty International Mexiko tätig gewesen. Das sei schon chaotisch zugegangen.

Auch Norma Cacho vom Zentrum für Wirtschaftliche und Politische Forschung für Gemeinschaftliche Aktionen (CIEPAC) in der Problem-Region Chiapas sagt: „Für unsere Arbeit ist es wichtig, dass die Freiwilligen sensibilisiert sind für die Menschenrechtsarbeit, wissen was sie wollen und möglichst auch länger als sechs Monate bleiben.“ Es kommen manchmal Leute, die zwei Wochen Zeit haben, aber das ist unproduktiv für uns.“

Solche Bedarfe sind seitens deutscher Organisationen meist nur mit Förderungen wie dem „weltwärts“-Programm der Bundesregierung zu decken. Besonders der bei „weltwärts“ wichtige Aspekt des Rückwirkens der Freiwilligen in die deutsche Gesellschaft scheint dazu Möglichkeiten für die Menschenrechtsarbeit zu bieten.

Bezüglich der Tätigkeiten und des Nutzens der Freiwilligen in der Menschenrechtsarbeit gibt es verschiedene Perspektiven. Abel Barrera vom Menschenrechtszentrum Tlachinollan in der Region Guerrero sieht auf der einen Seite eine positive Wirkung durch die Anwesenheit von Freiwilligen in seinem Projekt. „Lokale Behörden reagieren oft ganz anders, wenn sie sehen, dass wir Leute aus Deutschland dabei haben, die uns unterstützen.“, sagte Barrera. Nicht zu unterschätzen sei laut Barrera, dass durch die Freiwilligen die Themen auch nach Europa transportiert werden und durch Lobbyarbeit und Kampagnen in Europa darauf hingewiesen werden kann, wie etwa europäische Konzerne durch Lohnsenkungen oder Unterstützung der Wasserprivatisierung Menschenrechtsverletzungen dulden oder fördern. „Dass wir unsere Publikationen durch Freiwillige in deutscher und englischer Sprache verbreiten können, ist für uns wie eine Waffe.“, sagte Abel Barrera.

Andererseits gebe es auch lokale Behörden, die trotz Öffentlichkeit gegen Menschenrechtler vorgehen. So seien im letzten Jahr in seiner Region zwei Menschenrechtler ermordet worden. Da dies keine Einzelfälle sind, wurde in Berlin auch über die Sicherheit in der Menschenrechtsarbeit gesprochen.